Murphy, mit seinen Gesetzen – Wieso behält der am Montag derart häufig Recht? Weshalb kommen montags alle statt ausgeruht gereizt aus dem Wochenende in die Arbeitswelt zurück, und sehen durch verschlafene Augen derart deprimiert den neuen Aufgaben entgegen? Alltag…
Ich hasse Wecker. Jeden Tag dasselbe nervtötende Geräusch, das mich aus den Federn zwingt. Erst unter der Dusche wache ich wirklich auf, das kalte Wasser vertreibt die Müdigkeit, und nach einem kurzen Zmorge zeigt mir der Fahrtwind zum Bahnhof, dass es eben doch rentiert, den Wecker zu stellen. An den meisten Tagen jedenfalls.
Erste Erheiterungen bringen die Gratiszeitungen, die ich aus mangelnden Alternativen täglich lese. Heute zeigte 20min wieder die wichtigsten Ereignisse des Tages, am Abend trumpfte Blick mit “Sieg für Dr. Seltsam” nach: Ein Berner SVPler schaffte es, die so störenden Anglizismen in amtlichen Papieren zu verbieten. Dies trägt vor allem zu Vereinfachung bei – ein Chip ist ein “Mikroschaltkreis”, Fitness bedeutet “Sportliche Form” – Die Liste besteht aus 500 Wörtern, “Gesichtserker” und “Schlauchapfel” haben darin aber nichts verloren. Und Grund sich gegen das verdammte Englisch zu wehren gibt es ja genug:
Dennoch finde ich es bedenklich, wenn Zeitungen wie Blick am Abend derart gelesen werden. Ich habe noch keine Ausgabe der “seriösen” Zeitung gefunden, die nicht mindestens einen Rechtschreibefehler enthielt – Und dennoch lese ich das Blatt fast täglich, wie viele andere auch. Blick am Abend und 20min erreichen zusammen jeden Tag über 750000 (!) Leute, die sich über portraitierte Stars und Spinner lustig machen können; die Zeitungen bieten Gesprächsstoff und Unterhaltung (-vs. Informationen), ausserdem Kreuzworträtsel, Comics, eine Seite ”Wissen” und Seltsameres. Alles in Ordnung, nicht? Doch. Problematisch finde ich nur den Rest:
Politik in Gazetten. Wenn politische Themen durch solche Medien verbreitet werden, kann auch ein unbedeutendes “Problem” plötzlich wichtig erscheinen – Wer vor einem Jahr nach der Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Minarette oder Burkas gefragt hätte, hätte nie 57,5% gefunden. Diffuse und unbegründete Ängste werden in Medien populistisch hochstilisiert und verdrängen damit echte Probleme. Heikel ist ausserdem die (mehr oder weniger fehlende) Objektivität der Journalisten. Oder die ungleiche Aufmerksamkeit, die Organisationen und ihre Anliegen bekommen: “Egal ob gute oder schlechte Presse – Hauptsache, ich bin in der Zeitung” – Die Devise vieler Stars gilt auch für Politiker.
Eine Zeitung à la Blick am Abend wird von anderen Zeitungen vielfach abgeschrieben – Gleiche Bilder, Zitate oder Formulierungen fallen mir beispielsweise auf, wenn ich erst die NZZ Online und dann im Zug 20min lese, oder mehrere Gratiszeitungen. Apropos Online – Wieso abonniert man überhaupt noch Zeitungen? Oder: Wieso ist die Webversion gratis? Ich lese jeden Tag die NZZ im Internet, ausserdem relativ häufig den Tagi, ohne dass die Autoren von mir für ihre Arbeit etwas bekommen. Denn genau darum geht es eigentlich bei den Medien: Um Geld natürlich. Privatwirtschaft – Zeitungen werden gemacht, um verkauft zu werden, Sendungen, um die Einschaltquoten zu erhöhen und beide mit möglichst viel Werbung im Hintergrund (Bei mir geht das so weit, dass ich Filme nicht mehr im Fernsehen schaue, sondern sie mit jdownloader runterlade oder mir auf kino.to in schlechter Quali reinziehe – die stupide Werbung jedes Mal wenns wieder interessant wird, muss ich mir nicht ansehen. Wieso sollte ich mir die Hände wund blättern, um die nächsten Sätze eines Artikels zu finden, wenn ich dasselbe werbefrei im inet habe?). Zur Stimmung der Leser etwas gegenüber passend werden Geschichtchen ausgegraben und als Story verkauft – Medien zeigen das, was die Leute sehen wollen.
Allgemein scheinen mir Medienberichte meist etwas entweder sehr Gutes oder sehr Schlechtes zu zeigen – wobei Letzteres eindeutig überwiegt. Etwas dazwischen, eine ausgewogene, langweilige Berichterstattung also, wird selten. Doch zurück zum Blick – Wenn ich dort lesen muss, welcher Style gerade “cool” und was “schwul” ist, welche 499 CHF-Sonnenbrille momentan in und welcher Popstar völlig out ist.. frage ich mich, wieso man (mich eingeschlossen) das überhaupt aus der Box nahm, und wen denn solche Dinge interessieren. Manche muss es ja interessieren, wenn “Brangelina” wieder ein Kind adoptiert hat oder sich scheiden lassen will oder sich nun doch nicht scheiden lassen will – Sonst würde es nicht gedruckt. Vermutlich einfach Geschmackssache, unterschiedliche Lesevorlieben: Wieso sollte ich das Geburtsdatum eines DSDS-Kandidaten auswendig lernen, wenn er in ein paar Monaten wieder vergessen sein wird und ich ihn nie getroffen oder kennen gelernt habe? Sorry, doch den Fan, der seine Idole tatsächlich kennt, muss ich erst noch finden. Wer schon auf der Bühne stand, weiss, wie unnatürlich man geschminkt wird, um die Scheinwerfer auszugleichen, und wie viele Überlegungen in Styling, Kleidung, Sprache und Handlung investiert werden. Wer redet da von natürlich? Wer würde in einer TV-Sendung schon weinen? Wie soll man sich mit einer kiloschweren Kamera vorm Gesicht normal verhalten? Fernsehen besteht aus Schauspielern oder Leuten, die schauspielern! Und dass Stars (mehr noch als Normalsterbliche) auf Bildern und in Videos anders als in natura aussehen, ist wohl bekannt.
Zuletzt ein paar Eindrücke: Medien haben sehr grossen Einfluss auf die Bevölkerung, die “vierte Kraft” bestimmt zu einem guten Teil die Denkhaltung der Menschheit. Wer genügend Werbung finanziert, kann alles machen, sei es Präsident werden oder Juden/Muslime verfolgen. Politik ist nicht viel Anderes als der richtige Umgang mit Medien. Umso wichtiger ist es, was in Medien steht, besonders in den Seiten, die nicht als Anzeigen gekennzeichnet sind, obwohl sie vielfach Ähnliches bewirken – Ich verweise mal ohne weitere Kommentare aufs Thema iPad.

Interessanter Beitrag – danke.
Zur Finanzierung von Zeitungen: Eine Faustregel besagt, dass die Werbung die Inhalte finanzieren soll (also die Gehälter der JournalistInnen, die Abonnements der Agenturen, die Bilder etc.), der Kaufpreis die Distribution (Druck und Vertrieb der Zeitung). So funktioniert ja online idealerweise: Die Distribution wird fast gänzlich vom Leser zur Verfügung gestellt (PC, Internet), die Werbung zahlt für die Inhalte. Natürlich wird das teilweise quersubventioniert, weil die Inhalte auch in den Zeitungen abgedruckt werden.
Zudem gibt es ein technisches Problem: Wir können zwar Anzeigen blocken – unsere Klicks auf die Seiten zählen trotzdem und ergeben dann höhere Erträge für die Seiten: Ob wir uns die Werbung anschauen oder nicht.
Eine Gefahr (wie z.B. bei BaA schön sichtbar) ist, dass für Inhalte immer weniger bezahlt wird: Halbschlaue PraktikantInnen erledigen journalistische Arbeit, Werbung oder PR fließt auch in die eigentlich journalistischen Beiträge ein etc.
Das könnte noch interessant sein: http://saschalobo.com/2010/07/08/die-bescheuerte-musikindustrie-und-die-egoistischen-filesharer/#more-1792
Vielen Dank für den Link, wirklich sehr interessant, nur – Hat es irgendeinen Bezug zu obigem Artikel, den ich nicht kapiere?
Über Copyright haben wir ja schon diskutiert, gebe auch Sascha Lobo Recht.. vllt komm ich nächstens noch dazu, das im inet sehr wichtige Thema noch zu vertiefen, mal sehen. Mir gefällt dazu aber dieser Kommentar von mspr0 am Besten: “Ach, wär das schön, wenn die Blumen im Park einfach sofort nachwachsen würden. Jeder könnte sie sich einfach nehmen und alles mögliche damit schmücken. Die ganze Welt wäre voller Blumen. Was für eine schöne Vision.”
Habe auch studiert, ob der hier hinsoll oder nicht – habe dann wegen der jdownloader-Referenz gedacht, mal sehen.
Die Entgegnung von mspro ist tatsächlich richtig – sie Sache ist nicht ganz einfach, aber wohl einfach das Resultat der Tatsache, dass die technischen Möglichkeiten dem Verständnis dieser Möglichkeiten immer etwas voraus sind. Und die Künstler hinter den Verlagen, Vertrieben etc. einfach verschwinden…
hier gibts mehr -> http://epostit.sourceforge.net/