Von Stundenplänen und Boni

Früher war ein Stundenplan noch ganz einfach.

Doch mit der Zeit werden die komplizierter…

Und irgendwann scheinbar unmöglich. Die Person, die unseren Stundenplan erfand schrieb allen, dass es zu wenig Zimmer gäbe. “Die eine oder andere Stundenplankonstellation ist daher nicht immer für alle Beteiligten ideal resp. günstig.” Yeah… Nach zig Änderungen hat man in meiner Klasse bis zu 14 Freistunden pro Woche und damit durchschnittlich 2h/d länger Schule als letztes Jahr. Ich habe natürlich viele Freifächer genommen und nun mehrmals keine Mittagspause, mittwochs 11 Schulstunden aneinander. Donnerstags dagegen haben wir zwar von acht bis sechs Uhr Schule, doch das reicht leider nur für insgesamt 5 Lektionen… Come on, Kanti!

Ich gehe gerne in die Schule, und verbringe gerne Zeit mit Kollegen. Doch irgendwie finde ich es schade, dass wenn 2 Klassen mehr an die Kanti gehen und es deshalb von den Räumlichkeiten her nicht mehr aufgeht, der Staat das Geld für weitere Zimmer nicht ausgeben will. Denn damit wäre ich beim nächsten Thema: Wie viel ist die Zeit eines Menschen wert?

Momentan ist es 02.08 und ich habe offenbar nichts besseres zu tun als diesen Satz zu schreiben. Ich werde mit diesem Blog nie etwas verdienen, und das gilt für die meisten Dinge, die ich tue. Wenn jemand aber 300.-/h verdient, überlegt der sich dann nicht häufig, ob er nicht mehr davon hätte, wenn er seine Zeit statt bloggend, kochend, putzend, schlafend etc. arbeitend verbringen würde und jemanden für die unangenehmen Dinge bezahlen würde? Muss mal nachfragen.. Denke aber, das ist für viele der grösste Vorteil an Vermögen: Sie müssen nur die Dinge tun, die sie gerne tun. Obwohl – Eigentlich tut man auch ohne Millionen alles freiwillig. Ein Junge in der Primar sagte seiner Zeichnungslehrerin mal, er müsse nichts tun ausser Sterben. Wenn ich nun darüber nachdenke, hatte er eigentlich Recht. Es gibt einige Dinge, die ich nicht gerne tue, doch immer habe ich mehr davon, wenn ich es trotzdem erledige als wenn nicht. Manche Dinge scheinen idiotisch und langweilig, und sind es auch. Doch man erledigt sie wenn dann immer freiwillig. *

Doch zurück: In der Schweiz ist die Zeit eines Menschen sehr viel wert, vielleicht mehr als in irgendeinem anderen Land. Das macht viel Lebensqualität aus. In einem riesigen Land mit Milliarden von Einwohnern hingegen, die nichts haben und nichts können ausser Gameboys zusammenschrauben, ist der Einzelne kaum etwas wert, jeder hundertfach ersetzbar. Wirtschaftlich funktioniert das, da sich jeder anstrengt. Und ich habe mir auch schon überlegt, ob wir in der Schweiz nicht zu reich sind, falls denn so etwas möglich ist. Dass Carlos Slim Helu zu viel Geld hat, denken viele. Aber dass wir ebenfalls millionenfach reicher als viele andere sind, wird verdrängt. Und dass die nichts dafür können, und wir auch nicht, ebenfalls.

Millionen von Menschen verdienen pro Stunde ~ 0.01 CHF/h. Wenn sie hart arbeiten und sich lebensgefählichen Substanzen aussetzen. Ich bekomme pro Stunde 16 CHF. Wenn ich mich anstrenge, mir Mühe gebe. Und gerade Lust habe, zu arbeiten. Ok, ich verdiene also 1600x mehr als die Südafrikaner von vorhin. Weiter: Vasella verdient pro Jahr zur Zeit mind. 20 Mio, vllt sinds auch mehr. Wenn er sich anstrengt. Das ergibt bei 42 Wochen à 6 Tagen à 10h pro Jahr einen Stundenlohn von 8000 CHF. Seine Arbeit ist also 800 Mio mal mehr wert als die der Arbeiter in Indien.

Und ja, ich hatte heute Amat. So nennen wir diese Zeit immer noch, in der manche schlafen, andere igamen, ein paar Karten spielen, viele Rubiks Cube lösen, oder in gehobener Lautstärke sprechen, oder essen, oder… ja, von der Tafel abschreiben gibts auch noch. Doch erfahrungsgemäss macht man das erst nach 3 min, da der Lehrer seine “Sätze” (ja, ein Satz muss immer erst als solcher deklariert werden) häufig (kommentarlos) wieder korrigiert… Bin nur ich noch der Meinung, dass man nach einer Lektion sagen können müsste, was man Neues gelernt hat?

Ich schweife ab. Die Initiative 1:12 der Juso will nun einführen, dass niemand mehr als 12x mehr verdienen kann als der niedrigste Lohn des Unternehmens. Schöne Idee, klappt aber nicht: Wenn CEOs ihre Löhne nicht mehr hier einstreichen (und hoch versteuern) können, wandern sie eben samt Firmen aus. Wenn die Lohnschere nicht grösser als 1:12 sein darf, unterteilen sie eben die Firma. Kein Land allein, und schon gar nicht die kleine Schweiz, bringt die Top-Verdiener dieser Welt dazu, auf ihren Lohn zu verzichten.

Ich finde, es ist das Recht der CEOs, das Geld, das ihr Unternehmen abwirft, selber einzustreichen. Niemand wird in die Top-Etage geboren, Anreize dorthin zu gelangen nützen allen. Neid auf die, welche das geschafft haben, aber nicht. Ein CEO sollte aus Image-Gründen darauf verzichten, höhere Gehälter einzustreichen als er braucht, wenn er die denn selber bestimmen kann. Doch wenn du ein Unternehmen hättest, das u.A. dank dir Gewinn macht: Wie weit würdest du freiwillig dein Gehalt kürzen?

* Ja, das ist etwas spitzfindig. Doch nimmt diese Überlegung manchmal den Zwang und das “Scheisse, das muss ich auch noch”-Gefühl. Try it. Smiling.

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5 Antworten zu Von Stundenplänen und Boni

  1. Philippe Wampfler schreibt:

    »Anreize, in die Top-Etage zu gelangen, nützen allen« – damit bin ich nicht einverstanden. Sie nützen nur denen, die auch dorthin gelangen können. Aus verschiedenen Gründen können verschiedene Bevölkerungsgruppen das nicht.
    Damit hängt auch die Alternative zu hohen Managergehältern zusammen: Im Blogpost scheint die Alternative einfach geringere Managergehälter zu sein.
    Konsequent aber wäre wohl eine andere Lohnstruktur: D.h. wenn Top-Manager weniger verdienen, verdienen andere mehr. Das nützt allen, würde ich behaupten. Manager verdienen dann immer noch mehr, einen Anreiz gibt es immer noch – aber das Missverhältnis fällt weg.
    Oder anders gefragt: Wenn Sie als einfacher Angestellter 60’000 Franken verdienen in einem Unternehmen – hätten Sie dann einen Anreiz, etwas zu unternehmen, um 12-mal so viel zu verdienen (720’000 Franken)? Ich denke, schon.

  2. Daniel schreibt:

    Gebe Ihnen Recht, diese Anreize nützen nicht allen gleich viel. Dennoch, wenn sich alle beruflich einsetzen, um nach oben zu kommen, haben auch Arbeitgeber, Konsumenten etc etwas davon, unsere Wirtschaft lebt schliesslich von der Arbeitskraft der Menschen. Wenn man Menschen mit Geld (Boni) dazu bringt, sich beruflich mehr anstrengen, ist es das m.E. wert.
    Mit Top-Etage meinte ich auch nicht nur Brady Dougan, sondern all die “Big Bosses”, die in einer deutlich höheren Position sind als andere. Vermute, dass es für alle Menschen mehr oder weniger schwierig möglich ist, in Unternehmen aufzusteigen. (Das “mehr oder weniger” ist genau das Problem: Dass manche Menschen von Geburt an riesige Vorteile anderen gegenüber haben, die oft nicht mehr aufgeholt werden können..)
    Hohe Boni werden häufig damit gerechtfertigt, dass die guten Manager sonst in eine andere Firma wechseln würden. Wollte man also gegen allzu hohe Boni vorgehen, müsste man das auf internationaler Ebene diskutieren.
    “Im Blogpost scheint die Alternative einfach geringere Managergehälter zu sein.” Ja, das stimmt – Eine obere Lohngrenze scheint mir nämlich recht problematisch.. Wie sieht ihr Vorschlag aus? Ich denke aber, wenn ein Unternehmen trotz hohen Boni von alleine (also ohne staatliche Hilfspakete etc) funktioniert, dann soll es das auch dürfen. Doch von der Motivierung der Angestellten über die Machtposition eines einzelnen bis zum Ärger der Konsumenten: Übermässige Boni schaden einem Unternehmen.

  3. Philippe Wampfler schreibt:

    Wie gesagt – 1:12 ist nicht so dumm. 12mal mehr zu verdienen ist m.E. ein toller Anreiz. Und wenn die »Big Bosses« dann gerne noch mehr verdienen möchten – dann haben sie zudem noch einen Anreiz, die tiefen Gehälter anzuheben (ihre heben sie dann immer noch um das 12-fache…)

    Das Argument, »da müsste man dann auf internationaler Ebene diskutieren«, gilt heute bei fast allem. »Wenn nur ich das tue, dann nützt das ja noch nichts…« Es gibt in dieser Hinsicht keine »internationale Eben« und dass alle Menschen auf einmal anfangen, das Richtige zu tun, ist wenig mehr als ein frommer Wunsch. Jemand darf auch einmal beginnen mit einer guten Idee.

  4. Daniel schreibt:

    Wie gesagt – 1:12 ist nicht so dumm. Ich denke einfach nicht, dass der an sich fromme Wunsch einer gerechten Lohnverteilung tatsächlich praktikabel wäre. Wenn ein paar Juso-Leute finden, dass Dougan zu viel verdient, dann dürfen sie das gerne. Doch deshalb dürfen sie die Schweizer Wirtschaft nicht sabotieren. Denn das wäre wohl der Haupteffekt: Die CEOs aus der Schweiz, die hier Steuern zahlen und Leute anstellen, würden ein paar Kilometer weiter, nach Deutschland, Frankreich, China. Und dort die selben Gehälter einstreichen. (Wenn sie die Initiative nicht sonstwie umgehen könnten, bsp Unterteilung der Firma). Vielleicht sind das nur leere Drohungen, doch wir sind leider auch abhängig von den Leuten, die wir jetzt angreifen. Ich denke einfach nicht, dass es eine (von der EU und dem Rest der Welt) unabhängige Schweiz gibt, die mit ihren Initiativen Dingen globalen Ausmasses trotzen kann. Und wieso meinen Sie, dass es keine “internationale Ebene” gibt? Die EU, G8, G20, whatever – Würde es in solchen Belangen nicht deutlich mehr Sinn machen, dort mitzudiskutieren?
    Nun – Ich kann das abschliessend nicht beurteilen, finde die 1:12-Initiative aber so recht problematisch. Mein Vorschlag wäre ganz einfach eine steilere Versteuerungskurve, die gerne schweizweit gelten dürfte. Zudem wären m.E. transparente Löhne erstrebenswert.. Doch das ist nur meine Meinung.

  5. Philippe Wampfler schreibt:

    In dieser Frage werden wir uns wohl nicht näher kommen. Es geht nicht darum, in der Schweiz irgendetwas zu »trotzen« – sondern jedes Umfeld, egal wie groß, so zu gestalten, wie man es gerne hätte. Es geht mir hier nicht darum, die 1:12-Initiative zu vertreten – sondern um die Aussage, dass es auch für ein Unternehmen absolut sinnlos ist, Angestellten mehr als das Zwölffache von anderen zu bezahlen. Unabhängig von staatlichen Vorschriften.
    Und die Angst vor dem Abwandern verschiedener Firmen ins Ausland verstehe ich noch immer nicht: Würde man nämlich so argumentieren, ließe man sich das Recht von Unternehmen diktieren.

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