De Kanton Aargou

„Wo wonsch?“ Im Kaff.

Quellen: Namen (→ Bezirk), Bearbeitung (→ Wordle)

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Von Stundenplänen und Boni

Früher war ein Stundenplan noch ganz einfach.

Doch mit der Zeit werden die komplizierter…

Und irgendwann scheinbar unmöglich. Die Person, die unseren Stundenplan erfand schrieb allen, dass es zu wenig Zimmer gäbe. „Die eine oder andere Stundenplankonstellation ist daher nicht immer für alle Beteiligten ideal resp. günstig.“ Yeah… Nach zig Änderungen hat man in meiner Klasse bis zu 14 Freistunden pro Woche und damit durchschnittlich 2h/d länger Schule als letztes Jahr. Ich habe natürlich viele Freifächer genommen und nun mehrmals keine Mittagspause, mittwochs 11 Schulstunden aneinander. Donnerstags dagegen haben wir zwar von acht bis sechs Uhr Schule, doch das reicht leider nur für insgesamt 5 Lektionen… Come on, Kanti!

Ich gehe gerne in die Schule, und verbringe gerne Zeit mit Kollegen. Doch irgendwie finde ich es schade, dass wenn 2 Klassen mehr an die Kanti gehen und es deshalb von den Räumlichkeiten her nicht mehr aufgeht, der Staat das Geld für weitere Zimmer nicht ausgeben will. Denn damit wäre ich beim nächsten Thema: Wie viel ist die Zeit eines Menschen wert?

Momentan ist es 02.08 und ich habe offenbar nichts besseres zu tun als diesen Satz zu schreiben. Ich werde mit diesem Blog nie etwas verdienen, und das gilt für die meisten Dinge, die ich tue. Wenn jemand aber 300.-/h verdient, überlegt der sich dann nicht häufig, ob er nicht mehr davon hätte, wenn er seine Zeit statt bloggend, kochend, putzend, schlafend etc. arbeitend verbringen würde und jemanden für die unangenehmen Dinge bezahlen würde? Muss mal nachfragen.. Denke aber, das ist für viele der grösste Vorteil an Vermögen: Sie müssen nur die Dinge tun, die sie gerne tun. Obwohl – Eigentlich tut man auch ohne Millionen alles freiwillig. Ein Junge in der Primar sagte seiner Zeichnungslehrerin mal, er müsse nichts tun ausser Sterben. Wenn ich nun darüber nachdenke, hatte er eigentlich Recht. Es gibt einige Dinge, die ich nicht gerne tue, doch immer habe ich mehr davon, wenn ich es trotzdem erledige als wenn nicht. Manche Dinge scheinen idiotisch und langweilig, und sind es auch. Doch man erledigt sie wenn dann immer freiwillig. *

Doch zurück: In der Schweiz ist die Zeit eines Menschen sehr viel wert, vielleicht mehr als in irgendeinem anderen Land. Das macht viel Lebensqualität aus. In einem riesigen Land mit Milliarden von Einwohnern hingegen, die nichts haben und nichts können ausser Gameboys zusammenschrauben, ist der Einzelne kaum etwas wert, jeder hundertfach ersetzbar. Wirtschaftlich funktioniert das, da sich jeder anstrengt. Und ich habe mir auch schon überlegt, ob wir in der Schweiz nicht zu reich sind, falls denn so etwas möglich ist. Dass Carlos Slim Helu zu viel Geld hat, denken viele. Aber dass wir ebenfalls millionenfach reicher als viele andere sind, wird verdrängt. Und dass die nichts dafür können, und wir auch nicht, ebenfalls.

Millionen von Menschen verdienen pro Stunde ~ 0.01 CHF/h. Wenn sie hart arbeiten und sich lebensgefählichen Substanzen aussetzen. Ich bekomme pro Stunde 16 CHF. Wenn ich mich anstrenge, mir Mühe gebe. Und gerade Lust habe, zu arbeiten. Ok, ich verdiene also 1600x mehr als die Südafrikaner von vorhin. Weiter: Vasella verdient pro Jahr zur Zeit mind. 20 Mio, vllt sinds auch mehr. Wenn er sich anstrengt. Das ergibt bei 42 Wochen à 6 Tagen à 10h pro Jahr einen Stundenlohn von 8000 CHF. Seine Arbeit ist also 800 Mio mal mehr wert als die der Arbeiter in Indien.

Und ja, ich hatte heute Amat. So nennen wir diese Zeit immer noch, in der manche schlafen, andere igamen, ein paar Karten spielen, viele Rubiks Cube lösen, oder in gehobener Lautstärke sprechen, oder essen, oder… ja, von der Tafel abschreiben gibts auch noch. Doch erfahrungsgemäss macht man das erst nach 3 min, da der Lehrer seine „Sätze“ (ja, ein Satz muss immer erst als solcher deklariert werden) häufig (kommentarlos) wieder korrigiert… Bin nur ich noch der Meinung, dass man nach einer Lektion sagen können müsste, was man Neues gelernt hat?

Ich schweife ab. Die Initiative 1:12 der Juso will nun einführen, dass niemand mehr als 12x mehr verdienen kann als der niedrigste Lohn des Unternehmens. Schöne Idee, klappt aber nicht: Wenn CEOs ihre Löhne nicht mehr hier einstreichen (und hoch versteuern) können, wandern sie eben samt Firmen aus. Wenn die Lohnschere nicht grösser als 1:12 sein darf, unterteilen sie eben die Firma. Kein Land allein, und schon gar nicht die kleine Schweiz, bringt die Top-Verdiener dieser Welt dazu, auf ihren Lohn zu verzichten.

Ich finde, es ist das Recht der CEOs, das Geld, das ihr Unternehmen abwirft, selber einzustreichen. Niemand wird in die Top-Etage geboren, Anreize dorthin zu gelangen nützen allen. Neid auf die, welche das geschafft haben, aber nicht. Ein CEO sollte aus Image-Gründen darauf verzichten, höhere Gehälter einzustreichen als er braucht, wenn er die denn selber bestimmen kann. Doch wenn du ein Unternehmen hättest, das u.A. dank dir Gewinn macht: Wie weit würdest du freiwillig dein Gehalt kürzen?

* Ja, das ist etwas spitzfindig. Doch nimmt diese Überlegung manchmal den Zwang und das „Scheisse, das muss ich auch noch“-Gefühl. Try it. Smiling.

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Going to Amesterdam

In den Ferien ist mein Lebensrhythmus irgendwie über zwei Stunden nach hinten verschoben. Doch morgen gilt nochmals früh aufstehen: Wir gehen am Mittag für drei Wochen nach Amsterdam! Das bedeutet voraussichtlich Blogpause, und ausserdem neun Stunden Fahrt, u.A. mit der Deutschen Bahn. Was macht man neun Stunden lang mit drei jüngeren Schwestern in einem Zugabteil?

Dennoch, ich freu mich auf Amsterdam. Allerdings hatte ich mir für dieses Blog noch einige Themen vorgenommen. Weiss immer noch nicht genau, was aus diesem Blog wird, doch wahrscheinlich komme ich nach den Ferien wieder dazu. Doch manchmal (besonders zu so später Stunde) frage ich mich, was ich in einem Jahr wohl darüber denken werde. Wenn ich heute Texte lese, die ich vor einem Jahr irgendwo geschrieben habe, halte ich automatisch nach dem Papierkorb Ausschau. Mein Blog kennen mittlerweile nicht mal 20 Leute, und wenn man nicht gerade nach „braucht man schulzeug kanti“ sucht, findet man mein nun „Impressions“ getauftes Blog selbst mit Google kaum. Allerdings – Wenn ich im Internet Dinge kommentiere und debattiere, und mit ganz verschiedenen Leuten nur via Web Kontakt habe, werde ich manchmal als Arschloch bezeichnet, aber nie als kindisch oder dumm. Wann gehört man zu den Erwachsenen? Wann werden die eigenen Ideen und Ansichten des Beachtens wert, wann kann man bei den Erwachsenen „mitreden“? Will man das überhaupt?

Anyway, eigentlich wollte ich noch etwas via ‚Gods Debris‘ posten:

“Does God have free will?” he asked.
“Obviously he does,” I said. It was the most confidence I had felt so far in this conversation. “I’ll admit there’s some ambiguity about whether human beings have free will, but God is omnipotent. Being omnipotent means you can do anything you want. If God didn’t have free will, he wouldn’t be very omnipotent.”
“Indeed. And being omnipotent, God must be able to peer into his own future, to view it in all its perfect detail.”
“Yeah, I know. You’re going to say that if he sees his own future, then his choices are predetermined. Or, if he can’t see the future, then he’s not omnipotent.”
“Omnipotence ist trickier than it seems,” he said.
[…]
 
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iPhone 4 vs. HTC Evo

Teste gerade QuickPress, am Surfen – Ich staune immer wieder wie viel Shit auf dem Internet auftaucht, und dann von Leuten aus der ganzen Welt millionenfach angeklickt wird.. Momentan bestes Beispiel auf YouTube ist klar „Alejandro“, das ich nicht verlinke. Habe aber gerade meinen Acc wieder etwas geordnet, und bin auf folgendes Video gestossen, das dem Hersteller einige Probleme bereitete, aber absolut sehenswert ist:)

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Intelligenztests bei Einwanderern

Ferienreif bin ich seit Monaten, nun ist es endlich soweit: Wir haben Sommerferien. Allen schöne Ferien in Mallorca gewünscht, Zeugnis bekommen, erstes Jahr an der Kanti mehr oder weniger (Lehrer-, nicht Fächer-abhängig) erfolgreich abgeschlossen, Schulzeug auf den Estrich verfrachtet (ob ich die ganzen Blätter je wieder abstaube ist eine andere Frage) und mit nichts zu tun und wunderschönem Wetter starteten die Ferien.

Ich blogge deshalb nur sehr sporadisch, stiess aber vor ein paar Tagen auf den Artikel „Ich bin für Intelligentstests bei Einwanderern“ auf NZZ Online, der damals am meisten kommentiert wurde. Allgemeine erste Reaktion: „WTF soll das denn?“ Zwei Standpunkte:

D1: „WTF trifft es ziemlich genau. Den Konkurrenzkampf aller Länder um die klügsten und reichsten Köpfe der Welt gibt es nun mal, und die Attraktivität eines Landes steigert sich nicht, indem man Einwanderern pauschal Dummheit unterstellt. Auf gute Wirtschaft (Geld und Arbeitsplätze), eine funktionierende Regierung, auf Schulen und kulturelle Einrichtungen, tiefe Steuern und gute Infrastruktur etc. sollte vielmehr Wert gelegt werden – Solche Dinge verbessern tatsächlich die Lebensqualität in einem Land, ganz im Gegensatz zu fraglichen Experimenten, die allfällige Einwanderer nur vergraulen.

Es ist sehr wichtig, wer in unserem Land lebt, die Bewohner eines Landes bestimmen (besonders in einer Demokratie wie der unseren) wie ein Land aussieht: Wir können und wollen dieses Abenteuer im Bereich der Einwanderungskriterien deshalb nicht eingehen. Wie klug jemand ist, kann man nur sehr schlecht messen, sich auf solche Intelligenz-Tests verlassen zu wollen wird zu Recht als „diskriminierend und menschenverachtend“ empfunden.“

D2: „Sicher, die Intelligenz kann man nicht besonders gut messen: Dies gilt aber z.B. für Integrationswillen genauso, der ja auch getestet wird. Und wegen Diskriminierung und „human“ und so: In unserer Gesellschaft ist es bereits der Fall, dass unterschiedlich intelligente Menschen unterschiedlich behandelt werden – Und das ist gut so. (Das reicht z.B. im Strafrecht von Tieren über Kinder bis Professoren, oder Affekthandlung als Entschuldigung). Eigentlich logisch, oder?

Wieder einmal sieht man schön, wie Tests mit „pauschalen Unterstellungen“ verwechselt werden. Wird Menschen etwa auch pauschal (die Unfähigkeit) unterstellt, eine Prüfung zu bestehen? Oder die, ein Auto zu lenken? Oder Waffen zu tragen? Waren zu schmuggeln? Hallo? Überwachungskameras und Zölle und Zeugnisse sind nicht diskriminierend, wieso sollte es ein IQ-Test sein? Wer annimmt, dass Einwanderer an einem IQ-Test scheitern würden unterstellt ihnen pauschal Dummheit, nicht der, der testen möchte.

Die Bewohner sind für ein Land das Wichtigste, das stimmt, doch umso mehr sollte man gut hinschauen, wer da alles ins Land spaziert. Einwanderungskriterien müssen bestimmen, ob der Betreffende für ein Land eine Bereicherung ist oder nicht – Hierbei wird bereits auf Geld, Herkunft, Bildung usw. geachtet. Intelligenz gehört aber auch dazu, da sie sehr stark bestimmt, wie jemand lebt: Intelligente Menschen haben höhere Bildung, bessere Arbeit, mehr Geld etc: Wie kann man da wollen, dass das gar nicht geprüft wird?“

Meine tatsächliche Meinung liegt irgendwo dazwischen. Das Ganze ist mehr ein Gefühl und schwer in Punkte zu fassen; das Thema beginnt mich aber gerade zu beschäftigen:

  1. Können Menschen etwas für ihre Intelligenz? Ob sie etwas für ihren Geburtsort können, wäre dann die nächste Frage, doch erstmal die: Nein (jedenfalls wissen wir nichts darüber, sofern mal nicht Gott Hirn verteilt and the like). Trotzdem darf man sie danach bewerten.
  2. Wie stark darf man Menschen nach ihrer Herkunft bewerten? Eigentlich gar nicht, alles andere wäre Rassismus. Es wird natürlich trotzdem gemacht, und bis zu einem gewissen Grade kann ich das auch verstehen. (I) Niemand ist an seiner Hautfarbe schuld, dennoch verbindet man die Erscheinung mit Informationen über ähnliche Menschen (u. A. Erfahrungen und Vorurteile), wenn man jemandem begegnet – Das ist nicht nur bei der Hautfarbe so. Unser Gehirn funktioniert nun mal so, und grundsätzlich finde ich, dass man Menschen durchaus nach ihrem Äusseren beurteilen soll – Soweit sie darüber entscheiden können. (Also nicht nach Hautfarbe, Pickel, Brille oder Grösse, sondern nach Schmuck, Kleider, Piercing, Tattoo, Gesichtsausdruck or whatever.). (II) Wenn jemand aus einem dermassen armen Land kommt, dass Mord und Angst an der Tagesordnung und Stehlen die einzige Überlebenschance ist – Prägt ihn das nicht so sehr, dass für ihn solche Dinge auch eher „normal“ sind und seine Hemmschwelle, ebenfalls kriminell zu werden, deutlich tiefer ist? Ich hoffe nicht.
  3. Die Schweiz ist ein Einwanderungsland, auch mit Einbürgerungen zuoberst. Schweizer werden immer weniger geboren, doch Ausländer kommen mit ihrer Arbeitskraft, ihrem Geld (S. Bankgeheimnis vs. Steuerhinterziehung), mit ihrer Kultur etc. in die Schweiz (Link). Und letzteres finde ich das Geniale daran. Es gibt für mich kaum Erstrebenswerteres als der Austausch von Gedanken und Ansichten, andere Sprachen, Gewohnheiten und Normen machen unser Eigenbrötlerleben doch um einiges interessanter.
  4. Für EU-Bürger ist es auch mit ansonsten genau gleichen Voraussetzungen deutlich einfacher, in die Schweiz zu ziehen, als für Nicht-EU-Bürger. Fair? Ja, weil stark unterschiedliche Kulturen auf der einen Seite eine grosse Bereicherung sind, aber eben doch auch Probleme schaffen.
  5. Wie stark soll die ausländische Minderheit auf Schweizer Rücksicht nehmen? Wie weit müssen sie sich anpassen? .. Müssen sie die Sprache lernen, die Kultur verstehen versuchen, sich den Gesetzen und moralischen Vorstellungen der Schweizer beugen, Steuern zahlen usw.? Ja.
  6. Wie stark soll die Schweizer Mehrheit auf Ausländer Rücksicht nehmen? Deutlich mehr, als sie es momentan tut. Dass es damit nicht allzu weit her ist, sah man in der Minarettverbots-Initiative am eindrücklichsten. Die Initiative verletzt Schweizer Recht und Moral, kam aber als „Zeichen gegen die Denkhaltung im Islam“ mit grosser Mehrheit durch. Minarette, Burka, Deutscher Filz etc: Schweizer Bürgerliche machen Stimmung auf Kosten der Ausländer – Dazu zwei wirklich exzellente Artikel: Hier und hier.
  7. Zum Schluss noch Thema Abstimmen: Wie stark dürfen Ausländer mitbestimmen? Weiter: Soll die Meinung eines Massenmörders wirklich gleich stark gewichtet werden wie die des Nobelpreisträgers? – Nein. Wenn nein, wie berechnet man den Unterschied? Kann man ihn überhaupt berechnen? – Nein.

Soviel Fragen für heute Nacht, habe ein geniales Buch fertig zu lesen, über das ich später vermutlich noch bloggen werde: „Gods Debris – A Thought Experiment“ (pdf)

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Medien am Montagmorgen

Murphy, mit seinen Gesetzen – Wieso behält der am Montag derart häufig Recht? Weshalb kommen montags alle statt ausgeruht gereizt aus dem Wochenende in die Arbeitswelt zurück, und sehen durch verschlafene Augen derart deprimiert den neuen Aufgaben entgegen? Alltag…

Ich hasse Wecker. Jeden Tag dasselbe nervtötende Geräusch, das mich aus den Federn zwingt. Erst unter der Dusche wache ich wirklich auf, das kalte Wasser vertreibt die Müdigkeit, und nach einem kurzen Zmorge zeigt mir der Fahrtwind zum Bahnhof, dass es eben doch rentiert, den Wecker zu stellen. An den meisten Tagen jedenfalls.

Erste Erheiterungen bringen die Gratiszeitungen, die ich aus mangelnden Alternativen täglich lese. Heute zeigte 20min wieder die wichtigsten Ereignisse des Tages, am Abend trumpfte Blick mit „Sieg für Dr. Seltsam“ nach: Ein Berner SVPler schaffte es, die so störenden Anglizismen in amtlichen Papieren zu verbieten. Dies trägt vor allem zu Vereinfachung bei – ein Chip ist ein „Mikroschaltkreis“, Fitness bedeutet „Sportliche Form“ – Die Liste besteht aus 500 Wörtern, „Gesichtserker“ und „Schlauchapfel“ haben darin aber nichts verloren. Und Grund sich gegen das verdammte Englisch zu wehren gibt es ja genug:

Dennoch finde ich es bedenklich, wenn Zeitungen wie Blick am Abend derart gelesen werden. Ich habe noch keine Ausgabe der „seriösen“ Zeitung gefunden, die nicht mindestens einen Rechtschreibefehler enthielt – Und dennoch lese ich das Blatt fast täglich, wie viele andere auch. Blick am Abend und 20min erreichen zusammen jeden Tag über 750000 (!) Leute, die sich über portraitierte Stars und Spinner lustig machen können; die Zeitungen bieten Gesprächsstoff und Unterhaltung (-vs. Informationen), ausserdem Kreuzworträtsel, Comics, eine Seite „Wissen“ und Seltsameres. Alles in Ordnung, nicht? Doch. Problematisch finde ich nur den Rest:

Politik in Gazetten. Wenn politische Themen durch solche Medien verbreitet werden, kann auch ein unbedeutendes „Problem“ plötzlich wichtig erscheinen – Wer vor einem Jahr nach der Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Minarette oder Burkas gefragt hätte, hätte nie 57,5% gefunden. Diffuse und unbegründete Ängste werden in Medien populistisch hochstilisiert und verdrängen damit echte Probleme. Heikel ist ausserdem die (mehr oder weniger fehlende) Objektivität der Journalisten. Oder die ungleiche Aufmerksamkeit, die Organisationen und ihre Anliegen bekommen: „Egal ob gute oder schlechte Presse – Hauptsache, ich bin in der Zeitung“ – Die Devise vieler Stars gilt auch für Politiker.

Eine Zeitung à la Blick am Abend wird von anderen Zeitungen vielfach abgeschrieben – Gleiche Bilder, Zitate oder Formulierungen fallen mir beispielsweise auf, wenn ich erst die NZZ Online und dann im Zug 20min lese, oder mehrere Gratiszeitungen. Apropos Online – Wieso abonniert man überhaupt noch Zeitungen? Oder: Wieso ist die Webversion gratis? Ich lese jeden Tag die NZZ im Internet, ausserdem relativ häufig den Tagi, ohne dass die Autoren von mir für ihre Arbeit etwas bekommen. Denn genau darum geht es eigentlich bei den Medien: Um Geld natürlich. Privatwirtschaft – Zeitungen werden gemacht, um verkauft zu werden, Sendungen, um die Einschaltquoten zu erhöhen und beide mit möglichst viel Werbung im Hintergrund (Bei mir geht das so weit, dass ich Filme nicht mehr im Fernsehen schaue, sondern sie mit jdownloader runterlade oder mir auf kino.to in schlechter Quali reinziehe – die stupide Werbung jedes Mal wenns wieder interessant wird, muss ich mir nicht ansehen. Wieso sollte ich mir die Hände wund blättern, um die nächsten Sätze eines Artikels zu finden, wenn ich dasselbe werbefrei im inet habe?). Zur Stimmung der Leser etwas gegenüber passend werden Geschichtchen ausgegraben und als Story verkauft – Medien zeigen das, was die Leute sehen wollen.

Allgemein scheinen mir Medienberichte meist etwas entweder sehr Gutes oder sehr Schlechtes zu zeigen – wobei Letzteres eindeutig überwiegt. Etwas dazwischen, eine ausgewogene, langweilige Berichterstattung also, wird selten. Doch zurück zum Blick – Wenn ich dort lesen muss, welcher Style gerade „cool“ und was „schwul“ ist, welche 499 CHF-Sonnenbrille momentan in und welcher Popstar völlig out ist.. frage ich mich, wieso man (mich eingeschlossen) das überhaupt aus der Box nahm, und wen denn solche Dinge interessieren. Manche muss es ja interessieren, wenn „Brangelina“ wieder ein Kind adoptiert hat oder sich scheiden lassen will oder sich nun doch nicht scheiden lassen will – Sonst würde es nicht gedruckt. Vermutlich einfach Geschmackssache, unterschiedliche Lesevorlieben: Wieso sollte ich das Geburtsdatum eines DSDS-Kandidaten auswendig lernen, wenn er in ein paar Monaten wieder vergessen sein wird und ich ihn nie getroffen oder kennen gelernt habe? Sorry, doch den Fan, der seine Idole tatsächlich kennt, muss ich erst noch finden. Wer schon auf der Bühne stand, weiss, wie unnatürlich man geschminkt wird, um die Scheinwerfer auszugleichen, und wie viele Überlegungen in Styling, Kleidung, Sprache und Handlung investiert werden. Wer redet da von natürlich? Wer würde in einer TV-Sendung schon weinen? Wie soll man sich mit einer kiloschweren Kamera vorm Gesicht normal verhalten? Fernsehen besteht aus Schauspielern oder Leuten, die schauspielern! Und dass Stars (mehr noch als Normalsterbliche) auf Bildern und in Videos anders als in natura aussehen, ist wohl bekannt.

Zuletzt ein paar Eindrücke: Medien haben sehr grossen Einfluss auf die Bevölkerung, die „vierte Kraft“ bestimmt zu einem guten Teil die Denkhaltung der Menschheit. Wer genügend Werbung finanziert, kann alles machen, sei es Präsident werden oder Juden/Muslime verfolgen. Politik ist nicht viel Anderes als der richtige Umgang mit Medien. Umso wichtiger ist es, was in Medien steht, besonders in den Seiten, die nicht als Anzeigen gekennzeichnet sind, obwohl sie vielfach Ähnliches bewirken – Ich verweise mal ohne weitere Kommentare aufs Thema iPad.

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Ein Tag im Gerichtssaal

Stress vorbei, heute das erste Mal wirklich gemerkt. Nirgends mehr Prüfungen, morgen ist Notenabgabe (Zeugnisse werden ja auf halbe Noten gerundet, keine Ahnung weshalb, und bisher hab ich noch keine aufgerundeten Noten gesehen, auch wenn mündlich zählt) – Es hört im Unterricht niemand mehr wirklich zu, wir wurden gestern mehrmals als „Kindergarten“-Klasse bezeichnet..

Nächste Woche ist letzte Woche, und diese Woche haben wir morgen Sporttag, heute  eine „Wirtschaft und Recht – Exkursion“. Wir wurden also 10 min vor normalem Schulbeginn an den Bahnhof bestellt, obwohl die Hälfte der Klasse wegen ihren Verbindungen erst später kommen konnte und der Prozess erst um Viertel nach begann. Von dort liefen wir die kurze Strecke zum Gerichtssaal, bzw. zum Feuerwehrmagazin Brugg, wo wir neben einem Pressevertreter hinten Platz nehmen durften.

Ich staunte, wie man so lange reden konnte, ohne viel zu sagen. Eine Verteidigungsansprache bedeutete durchschnittlich eine halbe Stunde Monolog, und es gab 5 Verteidiger. Man zähle noch die Tatsachen dazu, dass man nur ja keinen Lärm machen durfte und ich seit ein paar Wochen nicht vor Mitternacht schlafen gegangen bin aber die Stühle dafür zu unbequem waren. Eine solcher Gerichtsprozess gliedert sich in:

  • Befragung der Angeklagten (durch das Gericht)
  • Anklage des Staatsanwaltes (vertritt die Allgemeinheit, stellt Anträge für hohe Strafen)
  • Plädoyers der Verteidiger (vertritt die Angeklagten, ebenfalls vom Staat obligatorisch angestellt)
  • Antworten des Staatsanwaltes (geht nun auf die gegnerischen 5 Anwälte ein)
  • Antworten der Verteidiger
  • Letztes Wort haben die Angeklagten selber (falls Sie ihre Reue nochmals zeigen wollen)
  • Beratung des Gerichts (sehr unterschiedlich lange)
  • Urteilsverkündung (Gericht hat einstimmig beschlossen, dass… weil…)

Wir hatten uns in der letzten Doppelstunde gründlich vorbereitet, und wussten, was wir zu tun hatten: Einen Teil eines Angeklagten protokollieren. Beispielsweise musste ich mitschreiben, als Herr B. befragt wurde. Danach hatte ich nichts mehr zu tun. Die Angeklagten zitterten angespannt lauschend auf ihren Stühlen, wir eher weniger. Dennoch fiel mir auf, wie typisch die Szene aussah. Zwar kein Richterpult mit Holzhammer, doch sonst einige Klischees: Alle schwarz und korrekt gekleidet, Anzug, Krawatte, Hemd. Vorne sitzen 3 Frauen und 14 Männer, die jüngste Person ist die Gerichtsschreiberin, Rest ist über 60, ernst. Über die Hälfte trägt eine Brille. Die fünf Angeklagten hingegen mit kurzen, gegelten Haaren, Ausländer in den Zwanzigern, die Hände unnatürlich brav gefaltet.

Ich fragte mich, ob Staatsanwalt wohl ein guter Job ist. Dieser hier machte seine Sache sehr gut – Doch begegnet er dann nicht mit wachsend hoher Wahrscheinlichkeit einem früheren Angeklagten, der nun frustriert aus dem Gefängnis kommt, die Busse abzustottern hat (die er dem schmächtigen Anwalt verdankt) und diesem nun eines Tages oder Nachts auf der Strasse begegnet?

Kurzer Mittag im Migros-Restaurant, mit Pommes Frites und aussergewöhnlichen Schilderungen mancher Lehrer und Leute, wovon ich manche nicht glauben kann/will (bsp. dass eine Lehrerin die freiwillige Zusatzarbeit eines Kollegen auch nach 3 Wochen nicht fertig gelesen hat, aber als ungenügende Leistung zurückgeben will. – Update).

Zurück im Saal denke ich während einer 50-minütigen Rede (werden Argumente eigentlich besser, wenn man sie wiederholt wiederholt wiederholt..?) an Sinn und Zweck der auszusprechenden Strafen. Ich sehe heute zum ersten Mal Kriminelle von Nahem, Leute, die die nächsten paar Jahre im Gefängnis verbringen werden. Ist es vom Staat richtig, die jungen Menschen für ein paar Jahre einfach wegsperren? Welche Freundin, welcher Arbeitgeber und wie viele Kollegen warten wohl 4 Jahre auf einem? Die Taten sind vor 7 Jahren begangen worden, dennoch werden sie heute zu einigen Jahren Zuchthaus verurteilt. Hm.. Liegt der Sinn einer Strafe durch den Staat darin, die Täter zu resozialisieren und Rückfälle zu verhindern? Oder werden sie bestraft, um ihre Opfer zu rächen und die restliche Bevölkerung (wie auch sie) abzuschrecken? Beides.

Ein erfrischendes Ballspiel später (die ganze Klasse wirft einen kleinen Ball à la Volley im Kreis herum, amüsiert betrachtet von den gelangweilt umherstehenden Herren in lackierten Schuhen. Und wer jetzt an „Kindergarten“ denkt, soll den Kreis bitte verlassen), sitzen wir wieder im Saal. Es ist immer wieder von „Verfahrenskosten“ die Rede, die die Angeklagten selber getragen oder vom Staat übernommen werden müssen – Wie viel kostet wohl ein solches Gericht? Wie hoch ist der Stundenlohn eines Anwaltes? Wenn pro Verhandlung etwa zehn Juristen zwei Tage arbeiten müssen (offenbar noch einen weiteren für die Vorbereitung), wie hoch werden die Verfahrenskosten pro Person? Hoch.

Während der Beratung des Gerichts dürfen wir nach Hause gehen, müssen aber in einer Stunde wieder dort erscheinen. Ok, für mich mit Velo kein Problem, bin eine Glacé später wieder dort. Nach ein paar Minuten kommt ein Herr des Gerichts heraus und verkündet, dass die Besprechung eine halbe Stunde länger dauert. In der Zeit können wir einem Verteidiger Fragen stellen – Er erzählt uns u. A., dass man vor Gericht als Angeklagter lügen darf. Ich fragte weshalb, doch wie so oft bekam ich ausser „das ist das Recht der Beschuldigten bla, wovon auch rege Gebrauch gemacht wird bla“ keine Antwort. Als Zeuge darf man ja nicht lügen (obwohl Zeugenaussagen auch sehr ungenau seien) – Wieso also als Angeklagter? Keine Ahnung, frage morgen meinen Götti (Er ist Anwalt und ich arbeite jede Woche als Kuchenaufesser und Sekretär in seinem Büro, genialer Job).  Update: „Damit Verdächtige nicht mehr zugeben, als sie tatsächlich begangen haben.“ Lügen dem Staat gegenüber zu verbieten würde nicht funktionieren, wenn jemand sich nicht sicher ist, ob er eine Straftat begangen hat oder nicht, und die allfällige Bestrafung höher ist, wenn er nun bei einer Befragung lügt als wenn er die Tat gesteht. Und funktionieren, wenn nicht. Oder irgendwie so.

Nach der Urteilsverkündung (Jahre Anwalt + Jahre Verteidiger/2 ≈ Gefängnisstrafe) schaute ich „Fight Club“ zu Ende. Ja, WM lief auch, doch ich fand nach dem xten Spiel verliert es seinen Reiz, den unbekannten Sportlern in Südafrika zuzusehen, wie sie in der Mitte rumrennen und es viel zu selten fertig bringen, ein Tor zu schiessen. Und der Tausch hat sich gelohnt, kann ich empfehlen. (Trailer).

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